Roberto Deimel zu den Unruhen

Liebe Freunde von Pan y Arte,

seit Mitte April 2018 erreichen uns jeden Tag beunruhigende Nachrichten aus Nicaragua. Schwere Proteste erschüttern das gesamte Land. Menschenrechtsaktivisten berichten, dass mittlerweile mehr als hundert Menschen getötet worden seien. Ebenso ist von vielen Verletzten und Vermissten die Rede. Ein Ende der Gewalt ist derzeit nicht in Sicht. Wir trauern um die Toten und fühlen mit ihren Hinterbliebenen. Den vielen Verletzten wünschen wir eine schnelle Genesung und hoffen auf ein Zeichen von den Menschen, die noch vermisst werden.

Die Auswirkungen der Unruhen sind auch in den Projekten zu spüren. Die Einschränkungen der Projektarbeit sind leider nicht zu umgehen, da wir die Sicherheit der Mitarbeiter, Schüler und weiteren Besucher nicht gefährden wollen. Glücklicherweise sind alle Mitarbeiter wohlauf und wir stehen im stetigen Kontakt mit ihnen.

Das Angebot des Kulturzentrums ‘Casa de los Tres Mundos’ in Granada ist begrenzt, doch einige Kurse finden statt: In der Malschule sind zwar nur wenige Kinder, aber dafür umso mehr in der Folklore-Tanzgruppe. Die Künstler der Grafikwerkstatt sind aktiv und das Radio ist seit einer Woche wieder auf Sendung. Die Angebote des Stadtteilprogramms ‘LOCREO’ werden in den Barrios, die nicht durch Barrikaden versperrt sind, weitergeführt. Die ‘Deutsch-Nicaraguanische Bibliothek’ öffnet ebenfalls ihre Pforten, allerdings kommt der Bücherbus ‘Bertolt Brecht’ aufgrund der Straßensperren seit drei Wochen nicht mehr ins Rollen. Das Projekt ‘Música en los Barrios’ ist zurzeit leider geschlossen: Es ist weder möglich, den Musikunterricht in den Randbezirken Managuas noch in der Musikschule fortzuführen. In die Kinderleseecke ‘Rincón de Cuentos’ kommen zurzeit wenige Kinder.

Verlässlichkeit, Vertrauen, Verantwortung – dafür stehen wir seit über 20 Jahren. Die Situation in Nicaragua ist augenblicklich sehr schwierig, sie ändert sich von Tag zu Tag. Unsere Projekte sind Orte der Kreativität, die den Menschen Halt und Hoffnung geben. „Die Menschen sind froh, sich in unseren Projekten von der Not und Gewalt, die aktuell überall im Land herrschen, abzulenken. Unsere Projekte sind wahre Rettungsanker!“, teilte mir vor ein paar Tagen unser Projektleiter vor Ort, Dieter Stadler, mit. Noch längst ist die Krise nicht überwunden, aber wir sind sicher: Wenn sich die Lage beruhigt, wird unsere Arbeit noch wichtiger sein! Unsere Projekte bieten Wege der Versöhnung und des Friedens. Gemeinsam mit Ihnen können wir helfen, die Wunden, die die Krise in Nicaragua hinterlässt, zu heilen. Die ‘Casa de los tres Mundos’, ‘Musica en los Barrios’, die ‘Deutsch-Nicaraguanische Bibliothek’ und unser Dorfprojekt ‘Malacatoya’ sind Vorzeigeprojekte: Die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur formt die Menschen und eröffnet ihnen Wege, damit sie sich mit sich selbst auseinandersetzen und langfristige Lösungen für Missstände finden. Das ist die Voraussetzung für gesellschaftlichen Wandel. Deswegen bitte ich Sie: Setzen Sie mit uns ein Zeichen der internationalen Solidarität! Mit Ihrer Hilfe ermöglichen Sie den Menschen in Nicaragua eine nachhaltige Perspektive.

 

Mit solidarischen Grüßen
Roberto Deimel

Claudia Berns Ansprechpartnerin für Presse-Anfragen

Tel +49 (0)251 – 488 20 50

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